Vollständiger hebräischer Text
מַעֲרִיב עַרְבָּא נְשָׁאֵל לְפָנֶיךָ אֱלֹהֵינוּ אֲשֶׁר מָשַׁרְתָּ עַל אֶרֶץ יִשְׂרָאֵל וְעָלֶיךָ חָפַצְנוּ לְהַעֲרִיב שְׁמַע יִשְׂרָאֵל יְיָ אֱלֹהֵינוּ יְיָ אֶחָד
Ma'ariv arba na'shel lefanecha Eloheinu asher masartah al eretz Yisra'el ve'alekha chafatznu leha'ariv Shemá Yisra'el, YHWH Eloheinu, YHWH echad.
Der Abenddienst, Herr unseres Gottes, den du der Welt gegeben hast, damit wir das Shemá Israels sprechen. Unser Gott, du hast Israel erschaffen und wir bitten dich, das Gebet zu empfangen. Höre das Schmah, Israel! Der Ewige ist unser Gott, der Eine.
Geschichte und Ursprung des Gebets
Das Maariv-Gebet hat seine Wurzeln in den frühen Zeiten des Judentums und wurde bereits in der Mischna erwähnt (Berachot 4:2) als der abendliche Dienst, der nach Sonnenuntergang gebetet werden sollte. Es wurde formell im Talmud (Berachot 26b) geregelt und hat sich im Siddur über die Jahrhunderte hinweg etabliert. Maimonides betont in seinem Sefer Hamitzvot, dass das tägliche Gebet Pflicht ist, wobei der Maariv, nach Halacha, am Abend geschehen muss, um den Tag spirituell abzuschließen.
Aufbau und Teile
Shema und Schema Yisrael
Dieses zentrale Bekenntnis unterstreicht den Glauben an den einen Gott Israels. Es stärkt das spirituelle Bewusstsein und die monotheistische Überzeugung in der nächtlichen Andacht.
Benediktionssegnungen
Diese Segnungen danken Gott für die Nacht, die Ruhe und den Schutz. Sie verbinden den Gläubigen mit der göttlichen Fürsorge und schaffen eine spirituelle Atmosphäre vor dem Schlaf.
Abschlussgebet
Das Gebet schließt mit Bitten um Schutz, Frieden und mit dem Vertrauen in Gottes Allmacht für die kommende Nacht.
Wann und wie es gebetet wird
Das Maariv-Gebet wird täglich nach Sonnenuntergang gesprochen, unabhängig von Wochentag oder Jahreszeit. Es kann still im Einzelnen oder in Gemeinschaftsform erfolgen, wobei traditionell nach Osten in Richtung Jerusalem gebetet wird. Es wird sitzend oder stehend betend rezitiert, je nach Gemeindeordnung, und ist eine verpflichtende Abendritual für gläubige Juden. Die Gebetszeit endet mit dem Abschied vom Tag und dem Eintauchen in die Nacht.
Tiefe Bedeutung
Dieses Gebet symbolisiert das spirituelle Übergeben des Tages an Gott und bereitet die Seele auf die Ruhe der Nacht vor. Es drückt das Vertrauen in Gottes Schutz aus und betont die Verbindung zwischen Mensch und Schöpfer. Das Shemá erinnert an die monotheistische Überzeugung und die Verpflichtung, Gott in allen Lebenslagen zu lieben und zu verehren. Es ist eine zeitlose Bitte um Schutz, Führung und geistige Nähe zu Gott, die den Gläubigen erdet und auf die kommende Nacht vorbereitet.
Die Halacha betrachtet das Maariv als verpflichtendes Gebet, das idealerweise unmittelbar nach Sonnenuntergang gebetet wird (Shulchan Aruch, Orach Chayim 234). Es gibt unterschiedliche Custom, ob man es allein oder in Gemeinschaft betet, wobei in Gemeinschaft die Anordnung der Segnungen verbindlich ist. Das Gebet kann in jeder Sprache gesprochen werden, sollte aber die traditionellen Textteile enthalten. Variationen bestehen zwischen chassidischen, sefardischen und aschkenasischen Gemeinden, wobei die grundsätzliche Struktur aber einheitlich bleibt.
Geistliche Betrachtung
Das Maariv ist für uns mehr als nur ein Ritual am Abend; es ist eine Gelegenheit, den Tag mit Dank und Vertrauen abzuschließen. Während wir das Shemá sprechen, erinnern wir uns an die Einzigartigkeit Gottes und unsere Verpflichtung, stets in seinem Licht zu wandeln. Es lädt uns ein, die nächtliche Stille als Raum der spirituellen Verbindung und des inneren Friedens zu nutzen. Indem wir Gott um Schutz bitten, öffnen wir unser Herz für die göttliche Gegenwart in der Dunkelheit, was Trost, Hoffnung und spirituelle Erneuerung schenkt.
✦ Der Begriff 'Maariv' stammt vom hebräischen Wort für Abend und weist auf die Bedeutung hin, den Tag symbolisch im Gebet abzuschließen. Interessanterweise wurde das Shemá im 4. Jahrhundert v. Chr. in der jüdischen Diaspora breit rezitiert und ist bis heute das zentrale Glaubensbekenntnis im nächtlichen Dienst.
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